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Maniokmehl & Tapiokastärke

 

Hättest du gedacht, dass Maniok neben Reis und Kartoffeln zu den wichtigsten Nahrungspflanzen gehört?

Ich war ehrlich überrascht, als ich das gelesen habe!

Aber mal kurz gefragt: Was ist Maniok eigentlich?

Auf dem ersten Foto seht ihr eine Plantage mit buschähnlichen Maniokpflanzen, das zweite Bild zeigt eine Maniok-Ernte in Thailand. Und auf dem dritten Foto wird deutlich, wie groß die stärkehaltigen Wurzelknollen der Maniokpflanze tatsächlich sind.

Ich finde es immer spannend, nicht nur das Mehl zu verwenden, sondern auch die Pflanze dahinter kennenzulernen. Schließlich wollen wir wissen, aus welchen Pflanzen das Mehl stammt, mit dem wir unser Brot und unsere Kuchen backen!

 

Was ist eigentlich Maniok?

Maniok – eine vielseitige Pflanze mit Überraschungen

Maniok ist eine robuste, aber kälteempfindliche Pflanze aus der riesigen Familie der Wolfsmilchgewächse. Zu ihren Verwandten gehören unter anderem der Weihnachtsstern, der Kautschukbaum und der Wunderbaum (Rizinus).

Der wärmeliebende Maniokstrauch wächst vor allem in Asien, Südamerika, der Karibik und Indien – in Deutschland ist es ihm leider zu kalt.

Maniok ist auch unter den Namen Cassava und Yuca bekannt. Achtung: Yuca bitte nicht mit der Yucca-Palme verwechseln, die in vielen Wohnzimmern als Zierpflanze steht!

Fein gemahlenes Maniokmehl wird in manchen Regionen als Fufu oder Foufou bezeichnet.

 

Ein nährstoffreiches Wurzelgemüse

Maniok wird hauptsächlich wegen seiner großen, stärkehaltigen Wurzeln angebaut. Diese enthalten neben Stärke auch wertvolle Nährstoffe wie Vitamin C und A, Phosphor, Kalium, Eisen, Mangan und Kalzium, sind jedoch arm an Eiweiß. Dafür steckt in den Blättern der Pflanze besonders viel Eiweiß. Die Wurzelknollen können beeindruckende 10 kg schwer werden!

 

Achtung: Maniok nicht roh essen

Roher Maniok enthält – ähnlich wie Bittermandeln – Blausäureverbindungen. Diese Giftstoffe werden jedoch durch Waschen, Einweichen, Kochen, Rösten, Braten oder Backen unschädlich gemacht. Nach der richtigen Zubereitung ist Maniok absolut ungefährlich und eine wertvolle Zutat in vielen Küchen weltweit.

 

Maniok: Ein Grundnahrungsmittel für Millionen Menschen

 Maniok – die „Kartoffel der Tropen“

Die Maniokwurzel ähnelt in ihren Eigenschaften unserer heimischen Kartoffel und ist ein unverzichtbares Grundnahrungsmittel für rund 500 Millionen Menschen in Südamerika, der Karibik sowie großen Teilen Asiens und Afrikas.

Aufgrund ihrer vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten wird Maniok oft als „Kartoffel der Tropen“ bezeichnet. Nach dem Schälen kann die Wurzel gekocht, gedämpft, gebacken, gebraten, fermentiert oder frittiert werden. Zudem lassen sich daraus Mehl, Perlsago und Stärke herstellen.

Auch die Blätter der Maniokpflanze sind in den Anbaugebieten geschätzt: Sie werden entweder als Gemüse verzehrt oder als hochwertiges Tierfutter genutzt.

 

Gesunde Stärke mit besonderen Eigenschaften

Die Kohlenhydrate in der Maniokwurzel bestehen überwiegend aus resistenter Stärke – einer Art unverdaulicher Ballaststoffe, die eine positive Wirkung auf unsere Darmbakterien haben und den Blutzuckerspiegel stabilisieren. Zum Vergleich: Kartoffeln entwickeln resistente Stärke erst nach dem Kochen und anschließenden Abkühlen.

 

Verfügbarkeit von Maniok

Obwohl Maniok das ganze Jahr über geerntet wird, ist die frische Wurzel nur schwer erhältlich, da sie schnell verdirbt. Falls ihr sie ausprobieren möchtet, schaut in Asia-Supermärkten, dort gibt es sie gelegentlich tiefgekühlt.

Maniokmehl und Tapioka hingegen sind mittlerweile weitverbreitet und erfreuen sich wachsender Beliebtheit – beide sind glutenfrei und allergenarm.

 

 

Sind Maniokmehl und Tapioka dasselbe?

Nein! Auch wenn beide aus der Maniokwurzel gewonnen werden, unterscheiden sie sich genauso wie Maismehl und Maisstärke.

 

Wo kann man sie kaufen?
Ihr findet Maniokmehl und Tapioka in asiatischen und lateinamerikanischen Märkten, in vielen Bioläden und natürlich online. Da ich sie regional nicht bekomme, bestelle ich sie einfach bei Amazon.

 

Maniok-Mehl

Maniokmehl wird aus der gesamten Wurzel der Pflanze gewonnen. Dafür wird die Maniokwurzel zunächst geschält, gerieben und mehrere Tage eingeweicht. Anschließend wird die Masse ausgepresst, gewaschen und meist noch geröstet. Erst danach wird aus den Pressrückständen das Mehl gemahlen.

Das fertige Mehl ist in unterschiedlichen Mahlgraden erhältlich – von grob bis sehr fein. Ich verwende am liebsten das feine Maniokmehl (50 Mesh).

Seine duftige, feine Konsistenz erinnert optisch und haptisch an Weizenmehl. Vielleicht wird ihm deshalb oft das gleiche Backvermögen zugeschrieben. Wer es jedoch bisher nicht selbst ausprobiert hat, könnte hier eine Überraschung erleben. 😉

Maniokmehl gilt als histaminarm und allergenarm und ist daher eine interessante Alternative für viele Ernährungsweisen.

 

Was bedeutet Mesh?

Mesh bezeichnet die Maschenweite eines Siebs und gibt an, wie viele Öffnungen pro Zoll (2,54 cm) vorhanden sind. Je höher die Mesh-Zahl, desto feiner ist das Mehl.

 

Tapioka-Stärke

 Tapioka ist die Stärke der Maniokwurzel und entsteht als Nebenprodukt bei der Mehlherstellung.

Während des Einweichens, Pressens und Waschens der Maniokwurzel setzt sich die Stärke im Wasser ab – ähnlich wie bei der Gewinnung von Kartoffelstärke. Diese abgesetzte Stärke wird dann als Tapioka bezeichnet. Manchmal findet man auch die Bezeichnungen Tapiokamehl oder Tapiokastärke.

Tapioka hat eine ähnliche Konsistenz wie Speisestärke: Sie fühlt sich leicht knirschig an, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt, ist aber etwas weißer und heller in der Farbe.

Durch die Verarbeitung enthält Tapiokastärke keine Vitamine mehr, nur noch geringe Mengen an Kalzium und Magnesium. Ihr Hauptbestandteil ist resistente Stärke, die als wertvoller Ballaststoff für die Verdauung gilt.

 

 

Maniokmehl & Tapioka in der glutenfreien Küche

 Ich muss gestehen, dass ich Maniokmehl lange nicht verwendet habe – meine ersten Versuche damit sind nämlich kläglich gescheitert. Wahrscheinlich war es, wie so oft, ein Anwendungsfehler.

Doch vor einiger Zeit habe ich mir wieder Maniokmehl bestellt, um ihm eine zweite Chance zu geben – und ich muss sagen: Ich bin jetzt begeistert! Es ist fast geschmacksneutral, lässt sich wunderbar mit anderen Mehlsorten kombinieren und verleiht sowohl dem Teig als auch dem fertigen Gebäck eine feine Konsistenz. Ihr werdet es also demnächst häufiger in meinen Rezepten finden.

Am liebsten verwende ich das feine Maniokmehl, weil es den Teig besonders leicht und fluffig macht. Das grobe Maniokmehl hingegen hat eine robustere Struktur – ideal für Vollkornbrot.

 

Tapiokastärke – ein bewährter Favorit

Tapiokastärke verwende ich schon lange gerne in meinen Rezepten. Sie sorgt für ein luftigeres und weicheres Backergebnis als Speisestärke.

Manchmal nutze ich reine Tapiokastärke, manchmal mische ich sie mit Speisestärke. Oft wird Kartoffelstärke als Ersatz empfohlen, aber ich empfehle euch eher Speisestärke oder eine Mischung aus Speise- und Kartoffelstärke. Denn reine Kartoffelstärke kann leicht dazu führen, dass das Brot klitschig wird.

 

 

 

Kann ich Maniokmehl 1 : 1 mit Weizenmehl tauschen?

Oft liest man, dass sich Weizenmehl eins zu eins durch Maniokmehl ersetzen lässt – mit identischem Ergebnis bei Brot oder Kuchen. Leider ist das Unsinn. Viele schreiben diese Behauptung einfach voneinander ab, ohne es selbst ausprobiert zu haben.

Ja, man kann Weizenmehl durch Maniokmehl ersetzen – aber das Ergebnis wird ein völlig anderes sein. Der Grund dafür liegt in den unterschiedlichen Eigenschaften der beiden Mehle:

  • Flüssigkeitsaufnahme: Maniokmehl ist deutlich durstiger als Weizenmehl.
  • Glutenfreiheit: Der größte Unterschied – und gleichzeitig unser Vorteil – ist, dass Maniokmehl glutenfrei ist. Das bedeutet aber auch, dass es nicht die gleiche Struktur und Elastizität wie Weizenmehl liefern kann.

Wann funktioniert der Ersatz?

Bei Rezepten mit hohem Ei-Anteil, flachen Keksen oder Kuchen kann ein 1:1-Austausch in manchen Fällen funktionieren. Pfannkuchen und Pancakes gelingen mit reinem Maniokmehl besonders gut, wenn der Teig vorher etwas quellen darf.

 

Maniokmehl beim Brotbacken

Beim Brotbacken reicht Maniokmehl allein nicht aus. Wie bei jedem glutenfreien Mehl braucht es eine Bindemittelzugabe, z. B.:

  • Flohsamenschalen für Elastizität
  • Stärke (z. B. Tapioka) für eine bessere Textur
  • Ein weiteres glutenfreies Mehl für eine ausgewogene Mischung

Nur so entsteht ein gutes glutenfreies Brot mit angenehmer Konsistenz.

 

 

Rezepte mit Maniokmehl und Tapiokastärke

 

Leider habe ich noch kein Rezept mit Maniokmehl für euch veröffentlicht, obwohl ich schon einiges ausprobiert habe. Aber keine Sorge, das wird sich bald ändern!

Tapiokastärke verwende ich schon länger und deshalb findet ihr bereits einige Rezepte damit. 😊

 

Express-Baguette 

Hafer Brötchen 

Omega-3-Power-Brot 

Kürbis-Brot

Körner-Kruste 

Milchkaffee-Brot

Kürbis-Ravioli

Ruckizucki-Brötchen

Rustiko

 

 

Ich wünsche euch viele kreative Backideen mit Mehl und Stärke aus der Maniokwurzel.                                    Elke :)

Kommentare: 4
  • #4

    Elke Schulenburg (Sonntag, 08 September 2024 17:53)

    Hallo Lina,
    Pfannkuchenteig aus Maniokmehl sollte etwa 15 Minuten quellen, bevor er in die Pfanne kommt. Du kannst dafür ein normales Pfannkuchenrezept verwenden, aber die Flüssigkeitsmenge anpassen. Ich empfehle, 1-2 Eier mehr hinzuzufügen und den Rest mit Milch aufzufüllen, bis der Teig die gewohnte Konsistenz erreicht. Vor dem Braten den Teig noch einmal kräftig durchrühren. Ich gebe gerne 2-3 g Flohsamenschalen zum Mehl hinzu, um die Bindung zu verbessern.
    Liebe Grüße
    Elke

  • #3

    Lina (Samstag, 17 August 2024 16:33)

    Hallo Elke,
    toller Blog ���

    Du erwähnst Pfannkuchen aus Maniokmehl in diesem Beitrag. Kannst du sagen in welchem Verhältnis zu Wasser (oder andere Flüssigkeiten) dein Mischverhältnis ist? Und welche weiteren Zutaten für diesen leckeren Pfannkuchenteig du nutzt? �

    Lieben Dank, Lina

  • #2

    Elke Schulenburg (Sonntag, 26 November 2023 11:05)

    Hallo Melanie,
    bitte, sehr gerne. Ich freue mich, dass dir die Erklärungen gefallen. Danke für den Hinweis ;-) ich werde demnächst mit Maniokmehl backen. Ein Tipp schon vorab... das Kastanien-Knäckebrot lässt sich super mit Maniokmehl backen... schmeckt sehr lecker!
    Liebe Grüße
    Elke

  • #1

    Melanie (Samstag, 25 November 2023 14:15)

    Hi Elke danke für deine Erklärung :) freue mich schon darauf wenn Du auch Rezepte mit Maniok einstellst ;)