Glutenunverträglichkeit – die kleine Schwester der Zöliakie
Eine Glutenunverträglichkeit ist weder eine Autoimmunerkrankung wie die „große Schwester“ Zöliakie noch eine Allergie wie die „gute Bekannte“ Haselnussallergie. Stattdessen bleibt sie eine rätselhafte Begleiterin, deren Ursachen bislang nicht vollständig erforscht sind.
Der aktuelle Stand der Wissenschaft: Es scheint eine Mischung aus genetischen Faktoren, dem Immunsystem und Umwelteinflüssen zu sein, die zu einer Überempfindlichkeit gegenüber Gluten führen kann.
Symptome und Unterschiede zur Zöliakie
Bauchschmerzen, Durchfall, Hautausschläge – die Beschwerden einer Glutenunverträglichkeit ähneln oft der Zöliakie. Doch während bei Zöliakie das Immunsystem aktiv die Darmzellen angreift, bleibt die Unverträglichkeit eine sanftere, aber nicht minder unangenehme Reaktion. Die Symptome treten meist innerhalb weniger Stunden bis Tage nach dem Verzehr auf – ohne die typischen Antikörper oder dauerhaften Schäden an der Darmschleimhaut.
Die lange Suche nach Antworten
Viele Betroffene haben einen langen Leidensweg hinter sich, bevor sie endlich Klarheit bekommen. In Deutschland wird die Glutenunverträglichkeit oft nicht ernst genommen, solange keine handfeste Diagnose aus dem Labor oder eine Darmbiopsie vorliegt. Ohne das berühmte „schwarz auf weiß“ werden Beschwerden schnell als psychosomatisch abgetan oder gar als Einbildung belächelt. Das führt dazu, dass viele Jahre lang rätseln, sich unverstanden fühlen und unnötig leiden.
Wie findet man heraus, ob man betroffen ist?
Da es keinen spezifischen Test gibt, bleibt die Diagnose schwierig.
Ein bewährtes Werkzeug ist jedoch die Eliminationsdiät.
Wer nach glutenhaltigen Mahlzeiten regelmäßig Beschwerden hat, sollte das Thema ernst nehmen – auch wenn keine offizielle Diagnose vorliegt. Denn am Ende zählt nicht das Testergebnis, sondern das eigene Wohlbefinden.
Wie funktioniert die Eliminationsdiät bei Glutenunverträglichkeit?
Eine Eliminationsdiät ist eine Ernährungsweise, bei der gezielt auf Lebensmittel verzichtet wird, die möglicherweise Beschwerden verursachen. Diese werden für einen bestimmten Zeitraum „eliminiert“, also aus dem Speiseplan gestrichen.
Alternative Namen der Glutenunverträglichkeit
Die Glutenunverträglichkeit ist unter verschiedenen Namen bekannt, da sie bisher nicht einheitlich definiert ist. Je nach Quelle und wissenschaftlicher Betrachtung werden folgende Begriffe verwendet:
- Gluten-Sensitivität
- Gluten-Intoleranz
- Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Gluten-Sensitivität (NZNWG)
- Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität (NCGS)
- Glutenbedingte Enteropathie
- Glutenempfindliche Enteropathie
- Gluteninduzierte Enteropathie
- Glutensensitive Enteropathie
- Gluten-Enteropathie-Syndrom
👉 Enteropathie bedeutet allgemein eine Erkrankung des Darms.
Symptome der Glutenunverträglichkeit
Die Anzeichen einer Glutenunverträglichkeit sind vielseitig und betreffen nicht nur den Verdauungstrakt:
- Magen-Darm-Beschwerden: Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung
- Übelkeit und Erbrechen
- Chronische Erschöpfung: Müdigkeit, Mattigkeit, Antriebslosigkeit
- Kopf- und Nervensymptome: Kopfschmerzen, Migräne, Brain Fog („Gehirnnebel“) – das Gefühl, kognitiv neben der Spur zu sein
- Muskuloskelettale Beschwerden: Gelenk-, Muskel- und Gliederschmerzen, Muskelkrämpfe
- Hautprobleme: Ausschläge, Ekzeme
- Psychische Symptome: Depressionen, Stimmungsschwankungen, Nervosität, Unruhe, Angstzustände
- Veränderung des Körpergewichts: Ungewollter Gewichtsverlust oder -zunahme
⚠️ Da diese Symptome nicht spezifisch für eine Glutenunverträglichkeit sind, sollten auch andere mögliche Ursachen abgeklärt werden – besonders, wenn eine Eliminationsdiät keine Besserung bringt.
👉 Mehr dazu auch im Blogartikel:
Gluten: Chamäleon der Ernährungsmedizin.
Therapie der Glutenunverträglichkeit

Die wichtigste Maßnahme bei einer Glutenunverträglichkeit ist die Ernährungsumstellung: Glutenhaltige Lebensmittel sollten konsequent gemieden werden.
Zusätzlich können natürliche Therapien helfen, den Körper – insbesondere den Verdauungstrakt – zu regenerieren. Dazu zählen:
- Phytotherapie (pflanzliche Heilmittel)
- Homöopathie
- Akupunktur
- Bioresonanz
- Spezielle Darmtherapien
Nach 3–4 Monaten glutenfreier Ernährung kann getestet werden, ob kleine Mengen oder Spuren von Gluten vertragen werden. Während einige Betroffene schon auf minimale Mengen empfindlich reagieren, können andere geringe Spuren problemlos tolerieren, solange sie größere Mengen meiden.
👉 Bei mir selbst ist es inzwischen so: Glutenspuren sind für mich kein Problem, aber größere Mengen vertrage ich nicht.
Weitere Unverträglichkeiten neben Gluten

Wer eine Glutenunverträglichkeit hat, reagiert oft auch auf andere Bestandteile von Getreide – sogenannte Antinährstoffe. Dazu gehören:
- Lektine
- Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs)
- Weizenkeimagglutinine (WGAs)
- Phytinsäure
- FODMAPs (kurzkettige Kohlenhydrate, die Blähungen und Verdauungsprobleme auslösen können)
Zudem kann die dauerhafte Belastung des Darms durch Gluten weitere Empfindlichkeiten nach sich ziehen – unter anderem eine Laktoseintoleranz. Deshalb lohnt es sich, die eigenen Symptome genau unter die Lupe zu nehmen.
Hier ist echte Detektivarbeit à la Sherlock Holmes gefragt: Nur wer verschiedene Faktoren in Betracht zieht, kann die wahren Ursachen finden und gezielt gegensteuern.
Fazit
Glutenunverträglichkeit ist ein komplexes Thema mit vielen Facetten. Neben Gluten selbst können auch andere Getreidebestandteile oder zusätzliche Unverträglichkeiten eine Rolle spielen. Die richtige Diagnose erfordert Geduld, Beobachtung und oft eine Ernährungsumstellung über mehrere Monate.
Am Ende gilt jedoch – wie bei so vielen Dingen in der Ernährung:
„Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift.
Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“
(Paracelsus)
👉 Mehr dazu: Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, findet hier weitere spannende Artikel:
- Was, bitte, sind denn Antinährstoffe?
- Antinährstoffe reduzieren: So geht's
- Antikörper: Wächter & Detektive des Immunsystems
- Gluten: Ein Protein, das die Welt bewegt
- Verstecktes Gluten: Diese Produkte solltest du kennen
- Getreide: Geschichte einer Revolution
In diesem Sinne: Höre auf deinen Körper, denn er gibt dir die besten Hinweise darauf, was dir guttut – und was nicht.
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