
Zum Glück gibt es verschiedene Möglichkeiten, die im Artikel „Was, bitte, sind denn Anti-Nährstoffe?“ besprochenen Stoffe zu reduzieren und gleichzeitig die Nährstoffverfügbarkeit von Mehlen zu verbessern.
Und das gilt nicht nur für Getreide, sondern auch für viele andere pflanzliche Lebensmittel.
1. Einweichen - für mehr Nährstoffe
Durch Einweichen lassen sich Phytinsäure, Lektine und Enzymhemmer im Getreide reduzieren, während gleichzeitig die Mineralstoffaufnahme verbessert wird. Eine Einweichzeit von 8 bis 24 Stunden ist besonders effektiv, um diese Anti-Nährstoffe abzubauen. Das Ergebnis: bessere Verdaulichkeit und höhere Nährstoffverfügbarkeit.
🔹 So geht's:
Das Getreide einfach mit Wasser bedecken und eine saure Zutat wie Essig oder Zitronensaft hinzufügen. Dadurch sinkt der pH-Wert des Wassers, was den Abbau der Anti-Nährstoffe fördert. Richtwert:
ca. 1 EL Essig oder Zitronensaft pro Liter Wasser.
2. Fermentieren - natürlicher Abbau von Anti-Nährstoffen
Das Fermentieren von Getreide – zum Beispiel durch Sauerteig, Wildhefe oder minimale Hefemengen – kann den Gehalt an Phytinsäure und anderen Anti-Nährstoffen deutlich reduzieren.
🔹 Warum ist das wichtig?
Eine lange Gärzeit macht das Brot vollwertiger, bekömmlicher und leichter verdaulich. Besonders für Menschen mit empfindlichem Magen-Darm-Trakt oder für alle, die regelmäßig Brot essen, ist die
bewährte „Slow-Baking“-Methode eine gute Wahl.
Tipp: Lass den Teig ausreichend lange ruhen, um die positiven Effekte der Fermentation voll auszunutzen.
3. Keimen - mehr Nährstoffe, weniger Anti-Nährstoffe
Das Keimen von Getreide ist eine effektive Methode, um Anti-Nährstoffe abzubauen und den Nährwert zu erhöhen. Während des Keimprozesses werden Enzyme aktiviert, die Phytinsäure und andere Hemmstoffe reduzieren. Gleichzeitig steigt der Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen und bioaktiven Nährstoffen.
🔹 Wie kannst du gekeimtes Getreide nutzen?
Egal, ob in Salaten, Smoothies, Müslis oder Broten – gekeimtes Getreide ist eine tolle Ergänzung für eine gesunde, vollwertige Ernährung. Besonders gut lassen sich Buchweizen und Braunhirse
keimen.
4. Rösten - weniger Phytinsäure, mehr Aroma
Das Rösten von Getreide kann helfen, den Gehalt an Phytinsäure zu senken und gleichzeitig ein intensives Aroma zu entwickeln.
🔹 Worauf du achten solltest:
- Nicht zu lange rösten! Sonst gehen wertvolle Nährstoffe verloren.
- Nicht zu heiß rösten! Hohe Temperaturen fördern die Bildung von Acrylamid, das gesundheitsschädlich sein kann.
Tipp: Leicht geröstetes Getreide verleiht Broten und anderen Backwaren ein köstliches Röstaroma.
5. Dämpfen - schonend und nährstoffschonend
Beim Dämpfen wird das Getreide nicht direkt ins Wasser gegeben, sondern in einem Dämpfkorb oder Sieb über kochendem Wasser gegart. Diese Methode hilft, Anti-Nährstoffe wie Lektine zu reduzieren, während gleichzeitig wertvolle Nährstoffe erhalten bleiben.
🔹 Warum dämpfen?
- Besonders schonende Zubereitung, da das Getreide nicht direkter Hitze ausgesetzt wird.
- Ideal für empfindliche Körner wie Quinoa und Hirse, die beim Kochen leicht zerfallen.
- Perfekt, wenn das Getreide später weiterverarbeitet werden soll – z. B. in Salaten oder als Beilage.
6. Kochen - effektive Reduktion von Anti-Nährstoffen
Das Kochen von Getreide hilft, die Konzentration von Anti-Nährstoffen zu senken und die Nährstoffverfügbarkeit zu erhöhen.
🔹 Wie wirkt Kochen?
- Längere Kochzeiten (30–60 Minuten) reduzieren Anti-Nährstoffe wie Phytinsäure.
- Vorheriges Einweichen kann die Effektivität zusätzlich steigern.
Tipp: Besonders harte Körner wie Reis, Hirse oder Buchweizen profitieren von dieser Methode.
7. Entfernen – weniger Anti-Nährstoffe, aber auch weniger Nährstoffe
Das Entfernen der äußeren Schichten von Getreide kann helfen, den Gehalt an Phytinsäure und Lektinen zu reduzieren. Dafür werden Kleie und Keim von Vollkornprodukten entfernt.
🔹 Worauf du achten solltest:
- Durch das Entfernen dieser Schichten sinkt auch der Ballaststoff- und Vitamingehalt.
- Ein Ausgleich mit anderen ballaststoffreichen Lebensmitteln ist wichtig.
Tipp: Flohsamenschalen sind eine großartige Alternative – sie liefern viele Ballaststoffe, enthalten aber kaum Anti-Nährstoffe.
8. Backen – weniger Anti-Nährstoffe, aber auch Nährstoffverluste
Das Backen von Getreideprodukten kann den Gehalt an Phytinsäure und Lektinen reduzieren und die Verdaulichkeit verbessern.
🔹 Wie lässt sich der Effekt verstärken?
- Eine lange Gärzeit mit Sauerteig oder Wildhefe baut Anti-Nährstoffe weiter ab.
- Einweichen oder Keimen der Körner vor dem Backen steigert die Nährstoffverfügbarkeit.
🔹 Worauf du achten solltest:
- Beim Backen können Vitamine und Mineralstoffe verloren gehen. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit frischen, nährstoffreichen Lebensmitteln sorgt für den nötigen Ausgleich.
Tipp: Vollkornmehl und Sauerteigbrote bieten eine bessere Nährstoffverfügbarkeit als Weißmehlprodukte.
Nebenwirkungen der Anti-Nährstoffe auf einen Blick
Zum Abschluss eine kurze Erinnerung: Anti-Nährstoffe können die Nährstoffaufnahme hemmen und verschiedene Nebenwirkungen haben. Eine detaillierte Erklärung dazu findest du im Artikel „Was, bitte, sind denn Anti-Nährstoffe?“.
Mit den richtigen Methoden wie Einweichen, Fermentieren oder Keimen lassen sich viele dieser Stoffe reduzieren – und gleichzeitig die Nährstoffverfügbarkeit steigern.
1️⃣ Lektine – Können die Darmwand schädigen, Entzündungen fördern und die Nährstoffaufnahme hemmen.
2️⃣ Gluten – Führt bei Zöliakie und Glutenunverträglichkeit zu starken Immunreaktionen und Darmschäden.
3️⃣ WGA (Weizenkeim-Agglutinin) – Fördert Entzündungen, macht die Darmwand durchlässiger und kann Autoimmunerkrankungen
begünstigen.
4️⃣ Phytinsäure – Bindet Mineralstoffe wie Eisen, Zink und Calcium, was die Aufnahme erschwert und Verdauungsprobleme verursachen
kann.
5️⃣ Enzymhemmer – Stören die Verdauung von Proteinen und Kohlenhydraten, was zu Nährstoffmangel und Verdauungsproblemen führen
kann.
6️⃣ FODMAPs – Können bei Menschen mit Reizdarmsyndrom Verdauungsbeschwerden auslösen.
7️⃣ Tannine – Hemmen die Aufnahme von Eisen und Proteinen und können Magenprobleme verursachen.
8️⃣ Oxalsäure – Bindet Calcium und kann die Bildung von Nierensteinen begünstigen.
9️⃣ ATI (Amylase-Trypsin-Inhibitoren) – Können Reizungen in Lunge, Haut und Verdauungstrakt hervorrufen und Allergien begünstigen.
Die gute Nachricht: Mit den richtigen Zubereitungsmethoden wie Einweichen, Fermentieren und Keimen lassen sich viele dieser Stoffe reduzieren, sodass die Nährstoffe besser aufgenommen werden können!
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