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Urgetreide: Diese Sorten sind wirklich ursprünglich – und viele sind glutenfrei

„Ursprüngliches Urgetreide: Einkorn, Emmer & Co. im Überblick

Wer glutenfrei backt, hat vermutlich schon oft mit Urgetreide gebacken – ohne es zu wissen. Klingt überraschend? Ist es aber nicht. Viele glutenfreie Getreide und Pseudogetreide sind so ursprünglich, dass sie in die gleiche Kategorie fallen wie Einkorn, Emmer oder Kamut. Doch was bedeutet Urgetreide eigentlich? Und sind diese Sorten wirklich so unverändert, wie oft behauptet wird?

Was ist überhaupt Getreide?

Fangen wir von vorn an:

Ein echtes Getreide gehört zur Familie der Süßgräser (Poaceae). Es bildet Körner aus, die zu Mehl vermahlen werden können – dazu zählen Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Reis und Hirse. Alle klassischen Getreidesorten haben also einen gemeinsamen botanischen Ursprung.

Dann gibt es noch die Pseudogetreide-Pflanzen, die nicht zu den Süßgräsern gehören, aber trotzdem wie Getreide verwendet werden. Dazu zählen Buchweizen, Amarant und Quinoa. Botanisch gesehen sind sie etwas völlig anderes, aber weil sie sich in der Küche ähnlich verarbeiten lassen, haben sie sich einen Platz im „Getreide-Klub“ gesichert.

 

Mehr als ein Trend: Diese Getreidesorten gelten als Urgetreide

 Der Begriff Urgetreide ist keine botanische Klassifikation, sondern eher ein Marketingbegriff. Gemeint sind damit alte Getreidesorten, die seit Jahrtausenden angebaut werden und nicht so stark gezüchtet wurden wie moderne Weizen. Dazu gehören:

  • Einkorn – eines der ältesten kultivierten Getreide, sehr mineralstoffreich und vermutlich der Vorfahre aller Weizensorten.
  • Emmer – robustes, eiweißreiches Getreide und Vorläufer des Dinkels.
  • Khorasan-Weizen (Kamut) – großkörnig, nussig im Geschmack, ursprünglich aus dem Nahen Osten.
  • Waldstaudenroggen (Ur-Roggen) – eine alte Roggensorte, die als Vorfahre unseres heutigen Roggens gilt.
  • Bauländer Spelz – eine ursprüngliche Dinkelsorte aus dem Odenwald.
  • Oberkulmer Rotkorn – eine alte Dinkelsorte, die fast verschwunden war.
  • Fisser Imperial Gerste – eine alte Gerstensorte aus den Alpenregionen.

Diese Getreide haben alle eine lange Geschichte: Einkorn und Emmer wurden bereits vor über 8000 Jahren angebaut. Doch mit der Zeit wurden sie von modernen Hochleistungssorten verdrängt – bis sie fast ganz verschwanden. Erst in den letzten Jahren erleben sie ein Comeback, da sie als bekömmlicher, ursprünglicher und nährstoffreicher gelten.
Interessanterweise sind viele glutenfreie Sorten wie Hirse oder Teff seit Jahrtausenden unverändert geblieben – und damit oft ursprünglicher als so manches klassisches Urgetreide.

 

 

Glutenfreie & glutenhaltige Urgetreide im Überblick

Glutenhaltiges Urgetreide Glutenfreies Urgetreide 
 Einkorn Hirse
Emmer Sorghum
Urdinkel / Bauländer Spelz Teff
Khorasan (Kamut) Buchweizen
Waldstaudenroggen Amarant
Champagner-Roggen Quinoa
Urroggen  
Urgerste/ Fisser Imperial Gerste  
   

Warum boomt Urgetreide plötzlich wieder?

Es klingt fast nach einer verdrehten Welt (und passt damit perfekt in unsere Zeit):

Zehntausend Jahre altes Getreide gilt heute als Innovation. Doch genau das macht den Reiz aus. In einer Welt, die immer digitaler und schnelllebiger wird, wächst die Sehnsucht nach Nachhaltigkeit, Naturbelassenheit und ursprünglichen Lebensmitteln. Urgetreide trifft genau diesen Nerv – mit seinem unverfälschten Geschmack, nachhaltigem Anbau und seiner langen Geschichte.

 

Das steigende Interesse zeigt: Verbraucher haben den Wunsch, sich bewusster zu ernähren und suchen nach mehr Authentizität. Gerade angesichts hochverarbeiteter Lebensmittel wächst die Nachfrage nach Getreidesorten, die noch nah an ihren Wurzeln sind. Und genau das liefert Urgetreide. Ob in der Backstube oder in der Küche, auf dem Feld oder im Handel – Urgetreide ist wieder gefragt.

 

Ist Urgetreide wirklich unverändert?

„Glutenfreie & glutenhaltige Urgetreide: Welche Sorten gibt es?“

 

Nicht ganz. Auch Urgetreide wurden über die Jahrhunderte selektiert – nur weniger drastisch als moderner Weizen. Manche Sorten, wie Dinkel, sind längst nicht mehr so „ursprünglich“, wie es oft klingt. Kamut wird zwar als uraltes Getreide vermarktet, ist aber eine Markensorte mit geschütztem Namen – eigentlich handelt es sich um den ursprünglichen Khorasan-Weizen.

Ist Kamut der Vorläufer des Hartweizens?

Kamut (Triticum turgidum ssp. turanicum) wird oft als „uralter Verwandter des Hartweizens“ bezeichnet, aber ein direkter Vorläufer ist er nicht.

Hartweizen (Triticum durum) stammt aus der Emmer-Linie, während Kamut zur gleichen Weizenfamilie gehört, sich aber eigenständig entwickelt hat. Botanisch gesehen sind die beiden also eher Cousins als Vater und Sohn.

Trotzdem haben sie Gemeinsamkeiten: Beide enthalten mehr Eiweiß als normale Weizen und eignen sich besonders gut für Pasta oder Brot mit festerer Krume.

 

Gibt es regionales Urgetreide aus Deutschland?

Ja! Auch in Deutschland gibt es alte Getreidesorten, die heute wieder verstärkt angebaut werden. Sowohl glutenhaltige als auch glutenfreie Urgetreide haben hier eine lange Tradition.

 

Glutenhaltiges Urgetreide aus deutschem Anbau:

  • Einkorn – das älteste kultivierte Getreide, wächst in kleinen Mengen vor allem in Süddeutschland.
  • Emmer – wird wieder in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen angebaut.
  • Urdinkel – stammt ursprünglich aus Südwestdeutschland und ist bis heute dort verbreitet.
  • Waldstaudenroggen (Ur-Roggen) – Eine alte, tief wurzelnde Roggensorte aus Mitteleuropa, heute wieder in Bayern, Thüringen und Baden-Württemberg angebaut.
  • Bauländer Spelz – eine ursprüngliche Dinkelsorte aus dem Odenwald.
  • Oberkulmer Rotkorn – gilt als eine der reinsten Dinkelsorten. Ursprünglich aus der Schweiz, heute auch in Bayern und Baden-Württemberg angebaut.
  • Fisser Imperial Gerste – eine alte Gerstensorte aus den Alpenregionen.

Diese Urgetreide werden aber nicht nur zu Mehl vermahlen, sondern oft auch als Ganzkorn in der Küche verwendet. Ein Beispiel ist der bayrische Reis, eine Mischung aus Einkorn, Emmer und Urdinkel, die wie Reis gekocht werden kann.

 

Glutenfreies Urgetreide aus deutschem Anbau:

  • Hirse – vor allem in Süddeutschland verbreitet, war lange Zeit ein Grundnahrungsmittel.
  • Sorghum – wächst in wärmeren Regionen, besonders in Süddeutschland.
  • Teff – in geringen Mengen in Versuchsanbau in Bayern, hauptsächlich aber importiert aus Äthiopien und den USA.
  • Buchweizen – wird in Brandenburg, Niedersachsen und Bayern angebaut.
  • Amaranth – in kleinen Mengen in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen kultiviert, aber hauptsächlich importiert aus Indien und Südamerika, aufgrund des hohen Wärmeanspruchs.
  • Quinoa – wächst mittlerweile auch in Deutschland, besonders in Baden-Württemberg und Thüringen.

 

Warum ist Urgetreide so teuer?

Urgetreide kostet oft mehr als modernes Getreide – aber warum eigentlich? Der Preis hat weniger mit Marketing zu tun, sondern mit handfesten Faktoren im Anbau und der Verarbeitung:

 

  • Langsames Wachstum - Urgetreide braucht mehr Zeit zum Reifen als moderne Hochleistungssorten.
  • Geringer Ertrag pro Hektar - Die Erntemengen sind deutlich niedriger als bei konventionellem Weizen.
  • Schwieriger Anbau & Verarbeitung - Viele Urgetreide sind empfindlicher gegenüber Wetter und Schädlingen.
  • Häufiger Bio-Anbau statt konventioneller Anbau - Da die Erträge für industrielle Landwirtschaft zu gering sind, wird Urgetreide oft in kleineren, nachhaltigen Strukturen angebaut.

Die einzelnen Urgetreide werden wir uns nach und nach ins Rampenlicht holen und genauer anschauen. Bleib also dran! 😊

 

Altes Getreide neu entdeckt – warum Urgetreide wieder im Trend ist

 

👉 Urgetreide klingt alt, ist aber gerade total im Trend. Doch welche Sorten gehören dazu – und sind sie wirklich alle glutenfrei? Hier erfährst du es: Was ist Urgetreide - und ist es glutenfrei?

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