
Hefewasser ist nicht gleich Hefewasser – und langweilig darf hier keiner!
Einmal Wildhefe ansetzen, ist nett. Mehrere Ansätze parallel? Das ist die Königsklasse für alle, die beim Brotbacken gern ein bisschen tüfteln, mixen und überraschen. In diesem Beitrag zeige ich
dir zwei bewährte Grundrezepte – und wie du daraus ganz einfach verschiedene Varianten machst, die nicht nur lecker, sondern auch richtig lebendig sind.
Am Rande: Aprikosen und Datteln entwickeln manchmal ein ziemliches Eigenleben. Und genau das macht sie so spannend.
Grundrezept mit Trockenfrüchten als Erinnerung für deine Variationen:
- 800 ml lauwarmes Wasser (=100 %)
- 80 g Zucker und/oder Imker-Honig (10 %)
- 120 -160 g Trockenfrüchte (15-20 %)

Grundrezept für frisches Obst, Kräuter und Blütenblätter
- das Glas zu 1⁄3 - 1⁄2 mit frischem Obst und/ oder Gemüse füllen oder
- das Glas zur 1⁄2 - 3⁄4 lose mit Kräutern und Blütenblättern füllen
- Mit lauwarmem Wasser auffüllen (=100 %).
- Bei Obst ca. 10 % Zucker zufügen.
- Bei Gemüse und Kräutern ca. 20 % Zucker zufügen.
- evtl. noch ein paar Trockenfrüchte.
- evtl. noch Honig oder Sirup.
Die genaue Menge an Zucker & Zutaten lässt sich nicht festlegen – hier gilt es, selbst zu experimentieren und das Wildhefewasser zu beobachten.
Jetzt, wo du die Basics kennst, wird’s spannend! Egal, ob du mit verschiedenen Früchten, Kräutern oder sogar Gemüse experimentieren willst – ich habe viele kreative Ideen für dich gesammelt.
Wenn du erst schnell zu den Rezepten willst, dann klick hier:
11 kreative Hefewasser-Variationen
Mehr zum Grundrezept findest du in " Hefewasser selbst ansetzen" , Teil2 der
Wildhefe-Serie.
Kreativ-Tipps: Alles kann - nichts muss
-
Die Wassermenge bleibt bei mir meistens gleich – einfach, weil ich fast immer dieselben Flaschen oder Gläser verwende. Ihr könnt das aber ganz entspannt an euren Behältern anpassen. Kein Mensch muss hier anfangen zu rechnen wie beim Sauerteig. Wichtig ist nur: Bitte füllt das Glas nicht randvoll. Lasst ihm mindestens zwei, besser drei Fingerbreit Luft zum Atmen. Hefewasser ist lebendig – und wenn es unter Druck steht, will es raus. Und das tut es. Gerne auch übers gesamte Küchenregal.
- Apropos: Verschließt eure Gläser nicht zu fest. Diese Gase wollen entweichen. Und glaubt mir, eine geplatzte Flasche ist nicht nur laut, sondern auch klebrig – und ein echtes Miststück beim Aufwischen. Ich hab das während meiner Ausbildung selbst erlebt: Ich hatte ein Wildhefewasser neben dem Ofen in der warmen Stube stehen lassen – fest verschlossen natürlich, in der naiven Annahme, dass „ein bisschen Obst im Wasser“ schon nichts anrichten wird. Hat's aber. Ich hatte klebriges Hefewasser in den Ritzen der alten Holzdielen. Wochenlang. Das vergisst man nicht.
- Was fast immer bei mir reinwandert: ein paar Trockenfrüchte oder frisches Obst. Das kurbelt die Fermentation an. Und das Schöne am Wildhefewasser ist: Man muss nicht alles grammgenau abwiegen wie beim Backen. Es darf gerne etwas intuitiv sein. Wer es genauer wissen will: Im Grundrezept ist alles nochmal aufgedröselt.
- Die ideale Wassertemperatur liegt bei 25 bis 30 Grad – lauwarm bis handwarm. Damit weckst du die Hefen sanft auf, ohne sie zu verschrecken. Beim Zucker hast du freie Wahl: Dattelsirup, Agavensirup, Zuckerrübensirup, Honig, Kokosblütenzucker, brauner Zucker oder heller/dunkler Rohrzucker – alles erlaubt. Was gar nicht geht: Süßstoffe und Zuckerersatz. Damit verhungert die wilde Bande schlichtweg.
- Statt Trockenfrüchten könnt ihr auch frisches Obst wie Äpfel, Birnen, Erdbeeren, Feigen oder Beerenfrüchte nehmen – oder, wer’s herzhafter mag: Gemüse, Kräuter, sogar Salatblätter (ja, wirklich!). Alles, was nicht rumschreit oder giftig ist, darf mal ins Glas.
- Für noch mehr Geschmack kannst du auch einen Teil (oder gleich alles) vom Wasser durch frischen Apfelsaft ersetzen. Am besten eignet sich naturtrüber Direktsaft aus Bio-Anbau – nicht pasteurisiert, ungefiltert, ohne Konservierungsmittel. Am allerliebsten: frisch gepresst. Alles andere ist okay, aber nicht das Gelbe vom Ei.
- Und wenn du mal experimentierfreudig bist: Du kannst dein Wildwasser später ganz einfach „umzüchten“. Nimm andere Früchte, aromatisierte Tees oder was dir gerade in die Hände fällt. Die Wildhefen sind da erstaunlich tolerant – fast wie eine gut gelaunte Großfamilie: Hauptsache, es riecht lecker.
- Und was, wenn du zu viel Wildhefe hast? Kein Problem. Trink sie! Solange sie frisch ist und angenehm riecht, enthält sie wertvolle Mikroorganismen, die deine Verdauung und dein Immunsystem unterstützen können. Ein kleines Gläschen am Tag – und dein Darm feiert.

Ich persönlich züchte nur die Ansätze weiter, die gut schmecken, kräftig treiben und mich beim Backen nicht hängen lassen. Manchmal habe ich auch eine Brotidee im Kopf, für die ich einen ganz speziellen Ansatz mache: zum Beispiel mit Bärlauch für ein Frühlingsbrot oder mit getrockneten Tomaten und Kräutern für eine Pizza. Aber meistens greife ich auf meine zuverlässige Wildi zurück – eine alte, treue Hefe mit Charakter. Neutral im Geschmack, aber mit ordentlich Power. Auf sie ist Verlass.

Da fällt mir gerade noch ein Tipp ein:
Gebt jedem frischen Ansatz einfach 100 - 300 ml eines aktiven Hefewassers hinzu, und in nur 1 - 2 Tagen (je nach Raumtemperatur) ist das neue Hefewasser aktiv – und schon kann gebacken werden.
Ein weiterer wichtiger Punkt: Je süßer das Hefewasser, desto süßer wird auch das Brot. Es lohnt sich, das Hefewasser vorher zu probieren, um sicherzustellen, dass es den gewünschten Geschmack für das Gebäck hat. So könnt ihr das Ergebnis noch besser anpassen!

Hefewasser: Selbstgemacht & Rezepte – die komplette Übersicht
Du willst mit Wildhefewasser backen, es selbst ansetzen oder kreative Varianten ausprobieren? Hier findest du alle Beiträge auf einen Blick! Von der Basis bis zu besonderen Rezepten – alles, was du für deine wilde Hefebäckerei brauchst.
👉 Surf durch die wilden Wellen des Hefewassers:
Grundlagen & Tipps
🔹 Was ist Hefewasser?
🔹 Hefewasser selbst ansetzen: Das brauchst du
dafür
🔹 Welche Zutaten braucht dein
Hefewasser? So gelingt die Fermentation
🔹 Hefewasser pflegen: So bleibt es aktiv &
aromatisch
Hefewasser kreativ variieren
🔹 11 kreative Hefewasser-Variationen
🔹 Hefewasser kreativ variieren: Grundrezept,
Ideen & Tipps
Backen mit Hefewasser: Rezepte & Inspirationen
🔹 Hefewasser-Rezepte: 7 kreative Ideen für
Brot & Brötchen
🔹 Ist dein Hefewasser aktiv? So machst
du den schnellen Backtest!
🔹 Hefewasser im Einsatz: So
kreierst du aromatische Brote und Brötchen
Brot & Brötchen mit Hefewasser
🔹 Glutenfreies Aroma-Mischbrot
🔹 Würziges Wurzelbrot
🔹 Hamburger Goldstücke – glutenfreie
Frühstücksbrötchen
🔹 Reisbrot mit Hefewasser
🔹 Wildes Müslibrot
🔹 Wildhefe-Kruste
🔹 Wildhefe-Malzkruste: Würzig & saftig
🔹 Bauernbrot mit wildem Hefewasser: Kräftig
& rustikal
Mein Tipp am Rande:
Hefewasser eignet sich übrigens auch hervorragend für Urgetreide – perfekt für aromatische & bekömmliche Brote.
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